Vergolden mit Blattgold

Gold ist wohl das bekannteste Metall. Es ist auch das weichste und damit dehnungsfähigste aller Metalle (Gold-schön und vielseitig). Deshalb lässt es sich leicht zu Goldblech aushämmern oder auswalzen und danach zu dünnstem Blättern schlagen, die als Blattgold bezeichnet werden.

Mit dem Blattgold können Oberflächen veredelt werden. Dadurch bewahren sie ihr ursprüngliches Aussehen über lange Zeit. Denn Gold ist sehr resistent gegenüber wetterbedingten und chemischen Einflüssen. 

Wenn die Oberfläche mit Blattgold bedeckt ist, scheint es, als sei das gesamte Objekt aus dem Edelmetall gefertigt. So auch die Kanzel auf dem Foto, die aus Holz angefertigt und mit Blattgold verziert wurde. 

Die Blattvergoldung ist die älteste bekannte handwerkliche Vergoldungstechnik. Sie wird seit der Antike verwendet, insbesondere im alten Ägypten, wo als Symbol der Unsterblichkeit angesehen wurde. Dies ist durch Funde in ägyptischen Königsgräbern belegt. Auch heute verwenden Kunsthandwerker diese Technik für verschiedene Zwecke.

 

Es gibt drei Arten von Blattgold. Das sogenannte freie Gold wird für die Öl- und die Wasservergoldung verwendet. 
Geklebtes Gold wird am häufigsten für Außenarbeiten verwendet. 
Die dritte Art ist das sogenannte Rollgold. Es wird in der Regel für das Verlegen auf ebenen Flächen verwendet. Dieses Gold erfordert besondere Aufmerksamkeit, da es sehr empfindlich ist, keine Feuchtigkeit verträgt und in bestimmten Räumen ausgestellt werden muss. 

Blattgold kann aus reinem oder aus legiertem Gold bestehen. Legiert wird es mit geringen Zusätzen von Silber, Kupfer, Platin oder Palladium.
Ein vorbereitetes Rohstoff-Gemisch wird in Tiegeln im Schmelzofen bei Temperaturen von etwa 1300 °C geschmolzen. Das flüssige Gold wird in eine Barrenform gegossen. Der erkaltete Barren wird danach zu einem Goldband weiterverarbeitet. Das fertige Goldband erreicht eine „Dicke“ von 0,015 mm. Im Vergleich dazu beträgt die Haardicke zwischen 0,03 mm und 0,085 mm. Eine weitere Verdünnung des Bandes erreicht man durch indirektes Schlagen.

In größeren Goldschlägereien werden hierfür heute computergesteuerte Schlagautomaten eingesetzt. Beim Schlagen liegen die Goldblättchen zwischen Pergamentpapier oder
zwischen Plastikmembranen (Pergamentersatz). 
Beim ersten Schlagprozess sind davon 600 Stück akkurat aufeinandergestapelt, beim zweiten 1500 und beim dritten 2000. Nach dem Schlagen sind sie nur noch 1/10 000 mm bis maximal 1/12 000 mm dünn. Im Verlauf des Schlagens werden die Goldblättchen immer dünner. Da sich ihr Material dabei dehnt, vergrößert sich seine Fläche. Um ein Ankleben der hauchdünnen Metallfolien zu verhindern, muss der Schlagprozess langsam und mit häufigen Unterbrechungen erfolgen. Hat das Blattgold seine endgültige Größe und Dicke erreicht, wird  es weiterverarbeitet.
Aus dem zuerst geschlagenen Quadrat ergeben sich am Ende16 Blätter der Größe 140 × 140 mm von unregelmäßiger Kontur. Hieraus schneidet man kleinere Quadrate aus. Die heute gängigsten Goldblättchen sind 80 × 80 cm groß. Ein Goldblättchen dieser Größe wiegt zirka 0,0135 g. 10 000 dieser Goldblättchen, dicht aufeinandergelegt, ergeben einen Stapel von 1 mm Höhe, der mithin nur 13,5 g schwer (oder leicht) ist. Für die Vergoldung einer Fläche von 1 m2 werden exakt 156,25 Blatt Gold der Größe 80 × 80 cm verbraucht. 

Aus einem Goldbarren mit dem Gewicht von 1 kg müsste man demnach rd. 74 000 Blatt Gold herstellen können. Tatsächlich beträgt die Ausbeute jedoch nur rd. 25 000 Blatt. Das liegt daran, dass bei der Herstellung, insbesondere beim Beschneiden, Abfälle in beträchtlicher Menge entstehen. Diese Reste werden gesammelt und wiederverwendet bei einem neuen Schmelzgang, mit dem die Blattgoldproduktion beginnt. 

Blattgold ist federleicht. Ein leichter Luftzug genügt, und das hauchdünne Goldblättchen fliegt fort. Gegen die Sonne gehalten wirkt das einzelne Blättchen fast durchsichtig, dass man den Eindruck hat, man müsste durch es hindurch fotografieren können wie durch ein gefärbtes Glas. Zwischen den Fingern zerfällt es leicht.

Bei der Vergoldung gibt es mehrere Verfahren. Die wahrscheinlich älteste Methode des Vergoldens ist die Polimentvergoldung. Dabei wird das Blattgold auf einen speziellen, mehrschichtigen Untergrund aus einem Erdpigment namens Bolus und Naturleim aufgetragen, an dem die Goldauflage sehr gut haftet. und anschließend mit einem Achat-Stein auf Hochglanz poliert. 
Diese Methode eignet sich nicht für die Anwendung im Außenbereich, weil das verwendete Material nicht ausreichend resistent gegen Feuchtigkeit ist. So ist der häufigste Verwendungsbereich die Vergoldung von Bilderrahmen, Wandverkleidungen in Schlössern und Palästen sowie an Altäre und Figuren in Kirchen. 

Traditionelle Temperavergoldung auf Holz oder einfacher von Wasservergoldung besteht aus 17 Schritten, zu denen das Verspachteln und das Schleifen gehören. Auch wenn dieser Prozess langwierig und sehr gründlich erscheint, ist das Ergebnis verblüffend. 
Die Ölvergoldung, auch Mischvergoldung genannt, ist trotz ihrer sorgfältigen Vorbereitung nicht so ergiebig wie die Wasservergoldung. Bei dieser Vergoldung wird – wie der Name schon sagt – Öl als Bindemittel eingesetzt. Bei dieser Methode ist die Oberfläche resistent gegen Feuchtigkeit, weshalb sie vor allem im Außenbereich eingesetzt wird. Allerdings kann die mit Öl gebundene Goldoberfläche nicht mit dem Achatpolierstein poliert werden, weshalb sie nur zur Herstellung von Mattgold eingesetzt wird.

Das Blattgold findet noch in einem ganz besonderen Bereich Einsatz nämlich, um Speisen und Getränken eine elegante Optik zu verleihen. Das ist möglich, da Blattgold essbar ist. Erhältlich ist so ein Gourmet Blattgold in Form von Flocken unterschiedlicher Größen in einem Streuer oder großflächig zwischen Seidenpapieren. 

Übrigens: Die abgebildete Kanzel befindet sich in der Stiftskirche in Stams/Tirol. Dort können auch andere vergoldete Gegenstände angesehen werden.<<

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.